| Über den drohenden Staatsbankrott aller großen Länder des Westens und den Einfluß der Alterslasten |
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Brühl, den 24.02.2010 DEUTSCHE ZUSAMMENFASSUNG DES ARTIKELS (*Die Autoren sind Ökonomen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel) Seit dem Jahr 2008 explodiert die Verschuldung der öffentlichen Hand in den meisten entwickelten Ländern. So prognostiziert die OECD, dass die Verschuldung in allen industrialisierten Ländern schon im Jahre 2010 die Marke von 100% des Bruttosozialproduktes (BSP) überschreiten wird. Sich allein auf diese Zahlen zu verlassen, führt gleichwohl in die Irre. Denn die schnell alternden Bevölkerungen verursachen in vielen Ländern enorme zukünftige Kosten, die in den gegenwärtigen Haushaltsplänen noch gar nicht berücksichtigt sind. Schon einmal, und zwar direkt nach dem zweiten Weltkrieg, hatte die öffentliche Verschuldung ein vergleichbar hohes Niveau erreicht, als die Verschuldungsquoten ebenfalls in vielen Ländern oberhalb von 100% des BSP lagen. Heute lebt Japan mit einer Staatsverschuldung, die sogar die Marke von 150% des BSP übersteigt, ohne dass dies die Kosten der Fremdfinanzierung, den Zins, in die Höhe treibt. Bisher sehen die Anleger Regierungsanleihen noch als relativ sichere Anlagen an. Anleger und Händler von Staatsanleihen sind im Allgemeinen sehr kurzfristig orientiert, denn sie gehen davon aus, dass sie ihre Anlagen rechtzeitig umschichten könnten, sollte es zu Problemen an den Märkten kommen. Historisch gesehen, ist es den Regierungen nur selten gelungen, Überschüsse zu erwirtschaften und die Verschuldung abzubauen. Gekennzeichnet waren diese Perioden vor allem von sinkenden Zinsen, steigenden realen Wachstumsraten oder beiden. Heute dagegen sind die Zinsen bereits sehr niedrig, und die Wachstumsaussichten sind höchstens moderat. Die Frage ist daher nicht mehr ob, sondern wann die Märkte den Druck auf die Regierungen erhöhen werden. Die gegenwärtig expansiven Fiskalpolitiken gehen mit steigenden altersbedingten Ausgaben einher, für die in der Vergangenheit zumeist keine Rücklagen gebildet worden sind. Das Verhältnis der alten Bevölkerung, die aus dem Arbeitsleben herausgewachsen ist, zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter verschlechtert sich drastisch. Interessanterweise ist diese Entwicklung gerade auf Länder wie Japan, Spanien, Italien und Griechenland konzentriert, die bereits heute mit hohen Schulden belastet sind. Zusätzlich ist im Zusammenhang mit der Alterung der Bevölkerung auf steigende Kosten für die Gesundheitssysteme hinzuweisen. Nun sind die Sozialversicherungssysteme (Renten-, Pflege- und Krankenversicherung) in den verschiedenen Ländern unterschiedlich ausgestaltet. Verschiedene Länder haben bereits Reformen umgesetzt, die die Ansprüche an die entsprechenden Systeme zum Teil deutlich gekürzt haben. Nun schätzt die EU, dass die altersbedingten staatlichen Mehrausgaben in den Jahren zwischen 2011 und 2050 in Griechenland, Spanien, Deutschland und dem Vereinigten Königreich am stärksten steigen werden. Für Griechenland wird von der EU-Kommission eine Steigerung der jährlichen Ausgaben bis 2050 um ca. 13% des BSP, für Spanien um ca. 7%, für Deutschland um ca. 6% und für das Vereinigte Königreich um ca. 4% des BSP prognostiziert. Für die Schätzung der Entwicklung der öffentlichen Verschuldung sind zwei Annahmen wichtig: die Entwicklung des realen Zinssatzes (= Zins minus Inflationsrate) und das Wachstum des BSP. Dabei ist folgender Zusammenhang zu beachten: Ist das Wachstum des BSP höher als der reale Zinssatz, kann sich die Verschuldung im Verhältnis zum BSP verringern. Ist der Realzins jedoch höher als das BSP-Wachstum, wird es – so lange die Staatshaushalte keine ausreichend großen Überschüsse erwirtschaften – zu einer Explosion der öffentlichen Verschuldung im Verhältnis zum BSP kommen. Leider ist es gerade in den letzten Jahren zu gegenläufigen Entwicklungen gekommen: Während die Realzinsen wieder angestiegen sind, sinken die BSP-Wachstumsraten.
lässt sich die Entwicklung der Verschuldung der Staaten prognostizieren. Es wird also unterstellt, dass die Staaten in diesem Szenario keine weiteren Anpassungsmaßnahmen an den Sozialversicherungssystemen vornehmen und die Strukturen der sonstigen Einnahmen und Ausgaben im Verhältnis zum BSP weitgehend konstant halten. Die Höhe der Zinsausgaben wird dann im System errechnet. Vorschaurechnungen wurden für 12 Länder (Österreich, Frankreich, Deutschland, Griechenland, Irland, Italien, Japan, die Niederlande, Portugal, Spanien, das Vereinigte Königreich und die USA) über einen Zeitraum von 20 Jahren, beginnend ab 2011, erstellt. Die Ergebnisse der Vorschaurechnungen sind ernüchternd: Schon in den ersten 10 Jahren würden die Staatsverschuldungen in Japan 300% des BSP, im Vereinigten Königreich 200% und 150% in Belgien, Frankreich, Irland, Griechenland, Italien und den USA überschreiten. Da die Alterung der Gesellschaften weiter fortschreitet, würde die Verschuldung in allen Staaten in den folgenden Jahren explodieren. Es wird deutlich, dass der gegenwärtige Pfad der staatlichen Ein- und Ausgaben in keinem Staat nachhaltig durchgehalten werden kann. Und in diesem Szenario ist noch nicht einmal berücksichtigt, dass die Investoren wahrscheinlich eine höhere Risikoprämie, d.h. einen höheren Zins, verlangen werden, wenn sie weiterhin in Staatsanleihen investieren sollen. Daneben ist auf das Risiko zu verweisen, dass daraus entsteht, dass eine immer höhere Staatsverschuldung einen immer größeren Anteil der gesamten Ersparnis bindet. Irgendwann stünden nicht mehr genügend Ersparnisse für produktive Investitionen im privaten Sektor der Wirtschaft zur Verfügung („crowding-out“). Dies wiederum würde die Wachstumsrate des BSP drücken. Maßnahmen, die eine Rückführung der staatlichen Verschuldung auf das Niveau des Jahres 2007 erreichen sollen, müssten, wenn sie erfolgreich sein sollen, entsprechend drastisch ausfallen. Sie schwanken, in Abhängigkeit von der Ausgangslage des Landes und von dem Zeitraum, der für ein Umsteuern gewährt wird, zwischen 6% und 17% des BSP pro Jahr. Dabei besteht die Herausforderung darin, die gerade einsetzende konjunkturelle Erholung möglichst wenig zu beeinträchtigen. Eine wichtige Maßnahme wäre in diesem Zusammenhang die Heraufsetzung des Renteneintrittsalters. Die Märkte reagieren oft plötzlich und nicht graduell. Sollte es also z.B. dazu kommen, dass sich erste Investoren weigern, den Staaten weitere Anleihen abzukaufen, könnte sich die finanzielle Lage dieser Staaten schnell und abrupt über steigende Zinssätze verschlechtern. Die Regierungen sollten sich also von der Tatsache, dass die wachsenden Defizite bisher relativ einfach über immer neue Anleihen finanziert werden konnten, nicht in falscher Sicherheit wiegen.(j+ms)
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