| Vom leisen Verschwinden der Großfamilien |
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UND DARÜBER, DASS GEBURTENRÜCKGANG NUR WENIG MIT PROBLEMEN Brühl, den 06.02.2010 In Deutschland liegt die Geburtenrate zur Zeit bei ca. 1,4 Kinder pro Frau. Es wären 2,1 Kinder pro Frau erforderlich, um die Bevölkerungszahl konstant zu halten. Die nachfolgende Generation ist also immerhin ca. ein Drittel kleiner. Zwar hat die Einwanderung die Schrumpfung und Alterung der Bevölkerung etwas verzögert. Doch wird immer deutlicher, dass dies die Kinderarmut der Eingeborenen nicht ausgleichen wird. Über Auswirkungen, Ursachen und über die Frage, ob diese Entwicklung überhaupt zu beeinflussen sei, wird heftig gestritten. Ob nun, rot, grün, schwarz oder gelb, die meisten Politiker unseres Landes thematisieren die demographische Entwicklung vor allem im Zusammenhang mit der Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ihre in der Regel nicht in Frage gestellte These ist dabei, dass Frauen auf Kinder oder weitere Kinder verzichten, weil sie Schwierigkeiten haben, eine außerfamiliäre oder außerhäusliche Erwerbstätigkeit mit der Erziehung eines Kindes organisatorisch zu verbinden. Nun ist die Vereinbarkeit von Familie und (außerhäuslichem) Beruf in erster Linie ein Problem von Familien mit einem oder zwei Kindern. Es ist offensichtlich, dass Familien mit drei, vier oder mehr Kindern andere Probleme haben, leben doch diese Großfamilien aus ganz praktischen Gründen in der Regel in sogenannten "traditionellen" Verhältnissen, in denen die Mutter zu Hause bleibt und die Erziehung der Kinderschar zu ihrem Hauptberuf macht. In diesem Zusammenhang lohnt ein Blick auf demographische Daten, um zu verstehen, welche Entwicklungen den Rückgang der Geburtenzahlen in unserem Lande maßgeblich erklären. Dabei wird deutlich, dass die Gruppe, die mit den Maßnahmen der Familienpolitik heute besonders gefördert wird, nämlich die Kleinfamilie mit einer Mutter, die einer externen Erwerbsarbeit nachgeht, den Rückgang der Geburtenzahlen gerade nicht erklärt. Jürgen Dorbritz vom Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung hat in der Ausgabe 01/2010 von Bevölkerungsforschung Aktuell folgende Daten veröffentlicht: In Westdeutschland haben sich über die verschiedenen Geburtsjahrgänge der Frauen die durchschnittlichen Kinderzahlen wie folgt entwickelt:
In Ostdeutschland ist die Entwicklung etwas anders verlaufen, mit noch weniger Großfamilien dafür aber weniger kinderlos gebliebenen Frauen:
Beim Blick auf die Tabellen wird bereits deutlich, daß nicht nur die Kinderlosigkeit zugenommen sondern daß gleichzeitig die Zahl der Mütter mit drei, vier oder mehr Kindern deutlich abgenommen hat. Welche Auswirkungen diese Entwicklung auf die Zahl der geborenen Kinder hat, wird deutlicher, wenn man sich ansieht, wie viele Kinder von diesen Müttern insgesamt geboren werden (im Unterschied zur Zahl der durchschnittlichen Kinder pro Frau).
Und hier die entsprechenden Zahlen zu Ostdeutschland:
Einige Gedanken dazu:
Im Namen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf bemühen sich unsere Politikerinnen (die Einengung auf die weibliche Form erscheint hier tatsächlich angebracht), der typischen Kleinfamilie zu helfen: Und so werden KITAs, Kindergärten und Ganztagesschulen subventioniert, und das Elterngeld wird so ausgestaltet, dass es das vorherige Erwerbseinkommen von Müttern teilweise kompensiert. Dies sind sehr teure Maßnahmen, von denen vor allem Mütter mit 1 bis 2 Kindern profitieren, die zuvor erwerbstätig waren und dies bleiben wollen. Mütter mit 3, 4 oder mehr Kindern sind in der Regel nicht erwerbstätig. Sie haben von allen diesen Maßnahmen kaum etwas, weil sie zuhause sind und sich selbst um ihre Kinder kümmern können. Sie benötigen keine KITAs, Kindergärten und Ganztagesschulen. Und beim Elterngeld erhalten sie in der Regel nur den Mindestsatz von 300 Euro pro Monat, während die zuvor erwerbstätige Nachbarin mit nur einem Kind bis zu 1.800 Euro Elterngeld im Monat erhält. Nun könnte man argumentieren, das die Geburtenzahlen wieder steigen würden, wenn die Kinderlosigkeit durch diese Maßnahmen zurückgehen würde. Denn die Zahl der kinderlosen Frauen ist in den letzten Jahrzehnten ja beträchtlich angestiegen. Bei den heute 40-44jährigen Frauen sind in Westdeutschland immerhin 24% aller Frauen kinderlos, oft Akademikerinnen sind mit langen Ausbildungszeiten. Würde es nun gelingen, dass die Kinderlosigkeit von 24% auf 10% aller Frauen sinken würde, und würde die Hälfte dieser Frauen 1 Kind und die andere Hälfte sogar 2 Kinder bekommen, dann würden also 21 Kinder pro 100 Frauen zusätzlich geboren. Die Kinderzahl von 100 Frauen stiege mithin von 151 auf 172 Kinder, die Geburtenrate von 1,51 auf 1,72. Nur - dies wäre nicht ausreichend, um die Geburtenrate auf Bestandserhaltungsniveau zu heben. Wenn man die Geburtenrate wirklich durchschlagend anheben möchte, muß man dort ansetzen, wo es die größten Verluste gegeben hat, nämlich bei den Großfamilien. Aber was geschieht stattdessen? Man verweigert und verschiebt Kindergelderhöhungen und streicht die Eigenheimzulage, Maßnahmen, unter denen insbesondere Großfamilien leiden. Es politisch nicht korrekt, bevölkerungspolitisch zu argumentieren, und wir tun es auch nicht. Denn wir sind der Meinung, daß sich jede Familie um das eigene Überleben kümmern sollte, und nicht um das Überleben des Volkes. Aber: Die heutige Familienpolitik ist nicht gerecht! Es wäre daher an der Zeit, etwas für Großfamilien zu tun. Diese benötigen dringend steuerliche Entlastungen, damit das Familieneinkommen des Vaters -netto- wieder ausreicht, seine Familie zu ernähren. |
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